Berichte
Folgende Berichte sind aktuell einsehbar:
1. Die Türmer von Schwarzenberg - Leben für den Klang der Glocken
Wenn sonntagnachmittags um 15:45 Uhr das Horn über den Fichtelberg erklingt, ist es ein vertrauter Moment für Einheimische und Gäste gleichermaßen.
Es ist das Signal von Gerd Schlesinger – Türmer, Glockenexperte und leidenschaftlicher Bewahrer einer jahrhundertealten Tradition.Seit 37 Jahren prägt er das Klangbild der Stadt Schwarzenberg – und weit darüber hinaus.
Schlesinger ist nicht nur Türmer, sondern auch ausgebildeter Campanologe, also
Glockenkundler. Mit seinem Ochsenhorn, der sogenannten Stadtpfeife, eröffnet
er jeden Sonntag die Zeremonie rund um die Friedensglocke auf dem
Fichtelberg.
Wenig später erzählt er deren Geschichte, gedenkt der
Verstorbenen und lässt schließlich um Punkt 16 Uhr die Glocke erklingen.
Vier Schläge hallen über die Landschaft, begleitet vom traditionellen Ruf des
Türmers, dem 10-minütigen Geläut, dem Vaterunser und einem Abgesang. Gegen 16:15 Uhr endet die kleine Zeremonie – ein Ritual, das für viele zu einem festen Bestandteil ihres Lebens geworden ist.
Besondere Höhepunkte im Jahresverlauf sind der Tag der Deutschen Einheit, zu dem rund 1000 Besucher anreisen, die Christnacht an Heiligabend sowie das Läuten in der Neujahrsnacht. Insgesamt verzeichnete die Friedensglocke rund 134.000 Besucher allein zu den regelmäßigen Läutezeiten.
Die Friedensglocke selbst ist ein Symbol mit bewegter Geschichte. Initiiert wurde sie im Jahr 2010 von Schlesinger als Denkmal der Friedlichen Revolution und der deutschen Einheit. Was zunächst an fehlenden finanziellen Mitteln zu scheitern drohte, wurde durch beeindruckendes bürgerschaftliches (privates) Engagement (Familie und Freunde) gerettet: Innerhalb von nur vier Monaten kamen rund 86.000 Euro zusammen. Am 3. Oktober 2010 wurde die Glocke schließlich vor rund 1200 Besuchern feierlich geweiht.
Doch die Geschichte der Friedensglocke kennt auch Rückschläge. Im Mai 2022 wurde sie durch Vandalismus schwer beschädigt. Statt ihres klaren, langanhaltenden Klangs waren nur noch kurze, „heisere“ Töne zu hören. Für die Region ein schmerzlicher Verlust – nicht nur kulturell, sondern auch touristisch. Schnell war klar: Eine neue Glocke muss her.
Zu diesem Zweck wurde der Verein „Friedensglocke Fichtelberg e. V.“ gegründet. Innerhalb eines halben Jahres sammelten die 10 Mitglieder erneut rund 70.000 Euro. Die neue Glocke wurde im September 2023 in Innsbruck gegossen – unter den Augen Schlesingers. Auch mediale Unterstützung ließ nicht lange auf sich warten: Der MDR berichtete über das Projekt und übernahm sogar die Transportkosten. Am 31. Oktober 2023 wurde die neue Glocke schließlich geweiht – trotz widrigster Wetterbedingungen.
Nachdem dann noch die große finanzielle Summe für den neuen Glockenstuhl
zusammengetragen wurde, kann die neue Glocke seit 3. Oktober 2024 regelmäßig läuten
An Schlesingers Seite steht sein Lebensgefährte Jörg Eller. Auch er ist Campanologe und als Nachtwächter in Schwarzenberg tätig. Gemeinsam teilen sie nicht nur ihre Leidenschaft für Glocken, sondern auch ein außergewöhnliches Projekt: In der Alten Schule im Breitenbrunner Ortsteil Tellerhäuser, die von den beiden gekauft wurde, haben sie die private Ausstellung „Kunst- & Klangwelten“ geschaffen. Diese lässt Besucher in die faszinierende Welt der Glocken eintauchen.
Die Begeisterung für Glocken begleitet Schlesinger seit frühester Kindheit. Schon mit vier Jahren begann er, kleine Glocken zu sammeln. Auf dem Dachboden seines Elternhauses baute er sich eigene Konstruktionen, um die Klangkörper läuten zu können. Später experimentierte er mit selbstgebauten „Glockenspielen“ aus Blumentöpfen – immer auf der Suche nach dem perfekten Ton.
Diese frühe Leidenschaft entwickelte sich zu einer beeindruckenden Expertise. Schlesinger ließ sich zum Glockensachverständigen ausbilden und wurde bereits 1988 Fachberater für Glockenfragen in mehreren Kirchenkreisen. Heute umfasst seine Sammlung rund 800 Glocken und Klangkörper – jede mit ihrer eigenen Geschichte.
Doch Schlesingers Wirken beschränkt sich nicht auf das Sammeln und Bewahren. Täglich um 9 und 17 Uhr erklingt vom Glockenturm des alten Rathauses in Schwarzenberg das Geläut mit anschließendem Türmerruf. Diesen Dienst versieht er im historischen Ornat der Türmerzunft. Sollte er verhindert sein, übernehmen sein Partner oder Familienangehörige diese Aufgabe – ein Zeichen dafür, wie lebendig die Tradition geblieben ist.
Neben seiner Tätigkeit als Türmer ist Schlesinger auch als Trauerredner, Organist und Verleger aktiv. Seine Bücher widmen sich vor allem der Regionalgeschichte und der erzgebirgischen Mundart – ein weiteres Zeichen seiner tiefen Verbundenheit mit der Heimat.
Der Türmer von Schwarzenberg ist damit weit mehr als ein Beruf: Es ist eine Berufung. Für Gerd Schlesinger ist der Klang der Glocken nicht nur Musik – sondern gelebte Geschichte, Erinnerung und Gemeinschaft zugleich.

Gerd Schlesinger, rechts im Bild, und sein Lebensgefährte Jörg Eller im traditionellen Ornat.
Foto: Luise Egermann, loupix Medien-& Eventgestaltung

Die Friedensglocke auf dem Fichtelberg steht als Symbol für die friedliche Wiedervereinigung.
Foto: Regina Korb, Schwarzenberg
2. Fahrt nach Mende - Begegnungen voller Herzlichkeit und gelebter Freundschaft
Wunsiedel/Schwarzenberg – Eine 40-köpfige Reisegruppe aus Schwarzenberg und Wunsiedel machte sich gemeinsam auf den Weg in die französische Partnerstadt Mende – und kehrte mit vielen unvergesslichen Eindrücken, vor allem aber mit dem Gefühl echter Verbundenheit zurück.
Organisiert wurde die Fahrt von Hubert Protzel, 2. ehrenamtlicher Stellvertreter des Schwarzenberger Oberbürgermeisters, Richard Beilein, ehemaliger Vorsitzender der Deutsch-Französischen Gesellschaft Wunsiedel e. V., Inge Schuster, Vorsitzende des Partnerschaftsvereins SOŁ e. V., sowie dem Comité de Jumelage in Mende in bewährter Zusammenarbeit mit dem Busunternehmen Weidtmann aus Schwarzenberg.
Bereits der erste Zwischenstopp im Elsass ließ die Vorfreude wachsen: Bei einer Weinprobe im Maison Cattin konnten die Teilnehmer nach einem Rundgang durch die Weinkeller regionale Spezialitäten genießen – begleitet von einem herrlichen Ausblick aus dem Panorama-Restaurant, dem sogenannten Balkon des Elsasses.
Am zweiten Tag wurde schließlich das Ziel erreicht: Mende, die Partnerstadt Wunsiedels. Hier zeigte sich einmal mehr, wie lebendig Städtepartnerschaften sein können. In den vergangenen Jahren sind viele persönliche Kontakte entstanden, die diese Verbindung mit Leben füllen. Noch im Februar hatte Hubert Protzel auf Einladung der damaligen Bürgermeisterin Régine Bourgade eine Ausstellung mit Schwarzenberger Stadtansichten in Mende präsentiert.
Die Idee der Städtepartnerschaft – Menschen zusammenzubringen, Verständnis füreinander zu fördern und Grenzen zu überwinden – wurde während dieser Reise eindrucksvoll erlebbar. Der Empfang durch Sylvette Bayle, Vorsitzende des Comité de Jumelage, und ihr Team war von außergewöhnlicher Herzlichkeit geprägt. Die französischen Gastgeber begegneten ihren Gästen mit großer Offenheit, Freundlichkeit und spürbarer Großzügigkeit.
Ein abwechslungsreiches Programm ließ die Besucher tief in Kultur und Lebensart der Region eintauchen: Eine Stadtführung, der Besuch des Musée du Gévaudan sowie der Ausblick vom Mont Mimat vermittelten eindrucksvolle Einblicke. Besonders in Erinnerung bleiben wird vielen das gemeinsame Abendessen mit dem traditionellen Aligot. Aus dem Rathaus kamen Marc Schwander, 2e Adjoint à la ville de Mende und Catherine Blond, 3e Adjointe à la ville de Mende, zur Begrüßung der Gäste.
In geselliger Runde entwickelte sich ein fröhlicher Abend, bei dem französische Tänze und Lieder ebenso ihren Platz hatten wie das von den Gästen angestimmte „Steigerlied“ – ein Moment gelebter Freundschaft über Ländergrenzen hinweg.
Auch der folgende Tag bot besondere Erlebnisse: Trotz regnerischen Wetters beeindruckte die Tropfsteinhöhle Aven Armand als einzigartiges Naturjuwel der Region „Causses und Cévennes“. Der Besuch des malerischen Dorfes St. Enimie, als einer der schönsten Orte Frankreichs klassifiziert, sowie des Bauernhofmuseums „Caussenarde d’Autrefois“ und anschließendem Einkauf in einer Käserei rundeten das Programm ab.
Beim Abschied wurde deutlich, dass diese Tage weit mehr waren als eine Reise: Sie waren Ausdruck einer gewachsenen Partnerschaft, getragen von persönlichen Begegnungen und gegenseitiger Wertschätzung. Der Partnerschaftsverein SOŁ e. V. leistet hierbei einen wichtigen Beitrag, indem er solche Begegnungen unterstützt und aktiv fördert.
Mit vielen neuen Eindrücken und gestärkten Freundschaften im Gepäck trat die Gruppe schließlich die Heimreise über Straßburg an – verbunden mit dem Wunsch, diese besondere Verbindung auch in Zukunft weiter zu pflegen und auszubauen.

Auf dem Mont Mimat, dem Hausberg der Mendois, genießt die Gruppe einen weiten, herrlichen Blick über die Stadt.

Noch erfüllt von den schönen Erinnerungen in Mende versammelt sich die Gruppe zu einem gemeinsamen Foto.
Erzgebirgische Landschaften und Architektur
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ein Schwarzenberger in Mende
Erzgebirgische Landschaften und Architektur
Ein Schwarzenberger in Mende
Auf Einladung von Bürgermeisterin Régine Bourgade reiste der Schwarzenberger Hobbymaler Hubert Protzel mit 28 Bildern in die Wunsiedler Partnerstadt Mende.
Wunsiedel ist nicht nur mit seinen Partnerstädten eng verbunden – auch die Partnerstädte selbst pflegen untereinander einen lebendigen Austausch. Einen wichtigen Grundstein hierfür legte das Projekt „Netzwerk – Generationen im Dialog“, bei dem sich von 2011 bis 2013 alle Partnerstädte im Zeitraum von zwei Jahren gegenseitig besuchten. Dabei blickte man bewusst hinter die Kulissen klassischer touristischer Programme. Auch das jährliche Treffen aller fünf Städte in Wunsiedel zum Brunnenfest hat das Miteinander weiter gestärkt. Man kennt und schätzt sich – über Länder- und Sprachgrenzen hinweg.
Diese gewachsene Verbundenheit führte nun zu einer besonderen Einladung: Die Bürgermeisterin von Mende, Régine Bourgade, lud den Schwarzenberger Hobbymaler Hubert Protzel ein, seine Gemälde in Südfrankreich auszustellen.
Hubert Protzel, Stadtrat und stellvertretender ehrenamtlicher Bürgermeister von Schwarzenberg, engagiert sich seit vielen Jahren intensiv für die Städtepartnerschaften. Gerne nahm er die Einladung an. Mit Unterstützung von Richard Beilein, Vorsitzender der Deutsch-Französischen Gesellschaft Wunsiedel e. V., Sylvette Bayle, Vorsitzende des Comité de Jumelage in Mende, wurde die Ausstellung hervorragend vorbereitet. Sogar ein ansprechender Flyer in französischer Sprache entstand. Die Stadtwerke Schwarzenberg GmbH unterstützten das Projekt großzügig finanziell. Begleitet wurde er von Siegmar und Regina Korb vom Erzgebirgsverein und Inge Schuster, Vorsitzende des Städtepartnerschaftsvereins SOŁ e. V.
Unter dem Motto „Erzgebirgische Landschaften und Architektur – eine Ausstellung gemalter Bilder von Hubert Protzel“ reiste der Hobbymaler mit 28 ausgewählten Werken nach Frankreich. Seit 2015 widmet sich Protzel intensiv der Malerei, seit 2018 leitet er den Schwarzenberger Malkreis. Das künstlerische Handwerk brachte er sich autodidaktisch bei. „Meine Vorbilder, Lehrmeister und Ratgeber waren Ralf Alex Fichtner sowie Mira Runkel. Von ihnen habe ich viel gelernt“, so Hubert Protzel. Die Ausstellung zeigte eine große Bandbreite an Techniken: Aquarell, Kreide, Strichtechnik, Mischtechnik und Tusche kamen ebenso zum Einsatz wie unterschiedliche Stilrichtungen bis hin zum Expressionismus. Im Mittelpunkt standen Motive aus dem Erzgebirge – Landschaften, markante Bauwerke und architektonische Details, die den besonderen Charme der Region widerspiegeln.
Zur Vernissage konnte Bürgermeisterin Régine Bourgade zahlreiche Gäste begrüßen. Sie bedankte sich herzlich bei Hubert Protzel für seine Bereitschaft, die weite Reise auf sich zu nehmen, um seine Werke in Mende zu präsentieren.
Der Hobbymaler revanchierte sich auf besondere Weise: Er stellte die ausgestellten Bilder der Stadt Mende und dem Comité de Jumelage zur freien Verfügung. Etwaige Erlöse aus Verkäufen dürfen vor Ort verwendet werden – ein weiteres Zeichen der freundschaftlichen Verbundenheit.
Neben der Ausstellung nahmen sich die Bürgermeisterin und die Mitglieder des Comité viel Zeit, um ihrem Gast die Stadt Mende näherzubringen. So wurde der kulturelle Austausch auch persönlich erlebbar – ganz im Sinne einer lebendigen Städtepartnerschaft.

Régine Bourgade und Hubert Protzel freuen sich über die Präsentation Schwarzenbergs in Mende.

Die Mitglieder des Comité de Jumelage nahmen Hubert Protzel nicht nur sprichwörtlich in ihrer Mitte auf.